Honigbienen & Wildbienen

Honigbienen & Wildbienen
Honigbienen & Wildbienen

 

 

 

Kennst Du die Unterschiede zwischen Honigbienen und  Wildbienen? Hier erfährst Du, wie bedeutend diese sind.

 

 

Wildbienen

Die meisten Wildbienen stechen uns Menschen nicht! Es gibt meistens keinen Bienenstock, den sie verteidigen müssen und ihre Stachel sind oft zu kurz und zu weich, um in unsere Haut eindringen zu können.

Nach unserem Wissensstand gibt es zwischen 500 und 600 verschiedene Arten an Wildbienen in Deutschland. Ihre Größen variieren dabei von ca. 4 mm (Sand-Steppenbienen) bis ca. 3 cm (Hummeln). Etwa 50% unserer heimischen Arten werden auf der Roten Liste für bedrohte Arten geführt.

Einige von Ihnen fliegen bereits bei ca. 3 Grad im Frühling und bestäuben Gemüse, Obstbäume und Beerensträucher. Bei diesen Temperaturen bleibt die Honigbiene lieber noch zu Hause.

Die meisten Wildbienen leben allein. Die Weibchen werden begattet und bauen dann allein ein Nest. Sie legen bis zu 30 Brutzellen an, lagern darin je einmal Futter aus Pollen und Nektar ein und legen ein Ei ab. Es entwickeln sich Larven, die alles weitere selbstständig fortführen, sich verpuppen und im nächsten Frühjahr aus dem Nest kriechen.

Einige Arten, wie die Hummeln, leben in einjährigen Völkern. Nur die befruchtete Königin überwintert und beginnt im Frühling einen kleinen Staat mit bis zu 600 Tieren zu bilden.

Ihre Nester haben verschiedenste Plätze. Dabei sind sie sehr kreativ. Sie bauen in Käferfraßgängen, in morschen Baumstämmen, in Ritzen von Deinem Holzschuppen, in Löchern von Gartenmöbeln, in alten Pflanzenstengeln, in verlassenen Nestern, in leeren Schneckenhäusern, zwischen Steinen, aber auch in selbstgegrabenen Erdlöchern, in Vegetationslücken im Boden. Dabei helfen sogar manchmal die Wildschweine, solche Lücken zu bauen.

Wildbienen ernähren sich vom Blütennektar und nehmen die Pollen als Nahrungsvorrat für ihre Nachkommen mit.

Etwa ein Drittel unserer Wildbienen sind auf ganz bestimmte Pollen spezialisiert und brauchen daher genau diese heimischen Wildpflanzen. Diese sollten auf jeden Fall in der Nähe ihrer Nester wachsen und blühen, da Wildbienen nicht sehr weit fliegen können!

Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung vieler Flächen, verschwinden die Wildblumen und wachsen nur noch in großen Abständen von einander. Diese Strecken kann die Wildbiene nicht zurücklegen.

Ein weiteres Problem sind die vielen Mäharbeiten. Oft werden die Blumen noch vor der Samenreife gemäht und verschwinden so allmählich vom Standort. Den Insekten wird auch so die Nahrung genommen.

Welche Blumen für unsere Insekten geeignet sind, findest Du in unserem WILDBLUMENLEXIKON.

 

 

 

Honigbienen

Über unsere Honigbienen hast Du sicher schon viel gelesen, oder sogar gesehen.

Sie leben wie die Ameisen in einem sogenannten Superorganismus. In einem Volk, das in einem Bienenstock lebt, hat also jede einen „Beruf“.

 

Es gibt Arbeiterinnen, die unfruchtbar sind. Sie bilden den größten Teil des Bienenvolkes. Ihre Aufgaben bestehen darin, dass sie Nektar sammeln, Waben bauen und pflegen, die Brutpflege übernehmen, das Flugloch bewachen und verteidigen u.v.m.

Nur die Königin ist fähig sich zu vermehren. Sie legt vom Frühjahr bis zum Herbst pro Tag ca. 1500 Eier.

Dann gibt es da noch die Drohnen. Das sind die männlichen Bienen. Ihre einzige Aufgabe ist es, die Königin auf ihrem Hochzeitsflug zu begatten. Sie leben nur wenige Wochen und gammeln die meiste Zeit gutversorgt im Bienenstock herum. Sie werden dann kurze Zeit nach getaner Arbeit von den Arbeiterinnen aus dem Nest geworfen.

Die Arbeiterinnen säubern die Wabenzellen und nun kann die Königin ihre Eier ablegen. Dabei unterscheiden sich die Zellen in ihrer Größe. In die kleinen Zellen legt sie die Eier, aus denen später die Arbeiterinnen schlüpfen (befruchtete Eier).

In die etwas größeren Zellen legt sie die Eier, aus denen später die Drohnen schlüpfen (unbefruchtete Eier).

Die Königin sorgt auch für adligen Nachwuchs. Sie legt ebenfalls Eier in Königinnenzellen, die deutlich größer sind, als die anderen. Eine Königin kann ca. 5 Jahre alt werden. Es gibt immer nur eine von ihnen im Bienenstock.

Die Honigbienen können heute nicht mehr ohne den Imker leben. 

Sie brauchen, wie die Wildbienen, eine gesunde blühende Vielfalt. Viele Wiesen werden gemäht, bevor sie blühen oder mitten in der Blütezeit.

Die Honigbienen werden schon im Spätsommer gefüttert, weil sie keine Nahrung mehr finden. Was machen die Wildbienen?

Allerdings kann eine Blütenvielfalt nicht durch Fütterung ersetzt werden!

 

 

Ein weiterer Unterschied besteht zu den Futterpflanzen.

Wildbienen sind auf unsere heimischen Wildblumen (nicht auf schöne, einjährige Blumenmischungen aus der Samenpackung) spezialisiert und fliegen häufig keine Zierpflanzen an. Für schöne Exoten interessieren sie sich gar nicht und fliegen konsequent daran vorbei….“Auf zum Unkraut!“ J

Honigbienen fliegen fast Blüten an, die Nektar und Pollen bieten, allerdings können sie aus vielen Exoten und auch aus einigen heimischen Wildpflanzen keine Nahrung ziehen und die Pflanzen auch nicht bestäuben.

 

Wusstest Du, dass es eine spezielle Zaunrübenbiene gibt?

 

Was sind Zaunrüben? - Bryonia dioica -

Das ist auf jeden Fall „Unkraut“ J und wird leider häufig entfernt. Diese schöne Wildpflanze tritt häufig spontan auf und sollte auf jeden Fall ihren Platz in unserer Gesellschaft haben, so wie alle Wildpflanzen. Immerhin waren sie vor uns da.

Die Zaunrübe klettert !Überraschung! an Zäunen hinauf. Sie hat eine einfache Mini – Blüte und trägt später rote Beeren. Das ist sehr schön anzusehen. Sie blüht von Anfang Mai bis Ende August. Aber Vorsicht, die Beeren sind giftig! Wenn Du also auf die Idee kommst, die Samen zu verbreiten, zieh bitte Handschuhe an!

 

 

Die Zaunrüben – Sandbiene – „Wildbiene des Jahres 2015“

Das Überleben von unserer Sandbiene (Andrena florea) hängt davon ab, ob sie genügend große Bestände der Zaunrübe findet, da das Weibchen für ihre Nachkommen ausschließlich Pollen von dieser Pflanze sammelt.

Damit zählt sie zu rund einem Drittel unserer Wildbienenarten, die auf diese Weise an Wildpflanzen gebunden sind! Diese verschiedenen Wildbienenarten kommen nur während der jeweiligen Blütezeit ihrer passenden Wildpflanzen vor.

Die bei uns häufigste Zaunrübenart ist Bryonia dioica, die als männliche und als weibliche Pflanze (zweihäusig) vorkommt.

Um an den eiweißreichen Pollen zu gelangen, muss die Wildbiene die männlichen Blüten anfliegen. Den zuckerhaltigen Nektar bieten dagegen sowohl die männlichen, als auch die weiblichen Zaunrübenpflanzen.

Sowas Umständliches würde doch eine Honigbiene nicht machen. Sie fliegt dann lieber in die Robinie, die hat zwar wenig Pollen, dafür aber viel Nektar. Das reicht der Honigbiene, da viele Tiere für das Volk sammeln.

Die Zaunrüben-Sandbiene hat kein Volk, sie ist eine Solitärbiene und muss reichlich Pollen und Nektar (von dieser einen Pflanzenart) alleine sammeln, um ihre Brut zu versorgen. Die Zaunrüben-Sandbiene baut ihr Nest gut getarnt im Boden. Der Nesteingang ist nur ein kleines Loch, das in den unterirdische „Palast“ der Wildbiene führt.

 

Die Larven in den Brutkammern der Sandbiene ernähren sich von den Pollen- und Nektarvorräten, die die Mutterbiene eingelagert hat, den Nesteingang mit einem Pfropf aus Erde und Körpersekreten verschlossen hat und dann leider auch schon verstorben ist. Es ist ihre einzige, sehr aufwändige Aufgabe, Eier zu legen und die Brut so zu versorgen, dass sie im nächsten Jahr schlüpfen kann. Guck Dir dazu mal Bilder im Internet an, damit Du weißt wie das aussieht! J

 

Unsere Zaunrüben Sandbiene ist nur ein Beispiel, das auf sehr viele Wildbienen zutrifft. Das bedeutet, dass wir unser „Unkraut“ brauchen und es wieder wachsen lassen müssen.

Nun könnte man fragen „Wer braucht schon die Zaunrübe und die Biene dazu? Ist das nicht egal, ob es die gibt?“

Mag sein, dass es für den Menschen grob gesehen unwichtig ist. Die Folgen fehlender Arten können wir unmöglich vorhersehen, da wir noch lange nicht alle Zusammenhänge in der Natur erforscht haben.

Wichtig ist aber zu sagen, dass es sich bei unserem Beispiel um eine streng oligolektische Art handelt. Es gibt zahlreiche Arten, die mehr als eine Wildblumenart anfliegen (keine Zierpflanzen!) und die auch für die Bestäubung von Obst und Gemüse wichtig sind.