Insektenhotel und Wildbienenhotel

Insektenhotel und Wildbienenhotel

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor dem Bau solltest Du die folgenden Dinge wissen:

Sinnvolle Nisthilfen anbieten

Die meisten Wildbienen entwickeln sich in einem Zeitraum von etwa einem Jahr in ihren Nisthilfen vom Ei, zur Larve, zur Biene. Daher ist die Bezeichnung "Hotel" hier etwas irreführend und lässt auf kurzen Besuch schließen.

Bedenke vor dem Bau, dass ein "Hotel" für Wildbienen und andere Insekten immer das letzte Teil im Puzzle ist. Am Wichtigsten ist es die richtigen Pflanzen anzubieten, damit die Insekten überhaupt zu Dir kommen. Die Pflanzenauswahl sollte möglichst viele heimische Wildpflanzen beinhalten, da unsere Insekten auf diese Pflanzen spezialisiert sind. Das bedeutet Du wirst zum "Unkrautgärtner". 

Nach unserem neuesten Wissensstand ist es sinnvoll mehrere kleine Nisthilfen anzubieten. Die Nistmöglichkeiten zu kombinieren kann unvorteilhaft sein. Das bedeutet, dass es in einem großen gemischten Insektenhotel eher zu Nestplünderei kommen kann, als in einzelnen speziellen Nisthilfen, oder reinen Wildbienenhotels. Wildbienenlarven sind willkommene Nahrung für andere Insekten und für Vögel.

In unserem Bespiel erfährst Du, wie Du ein größeres Wildbienenhotel (nur für Wildbienen) mit vielen kleinen Elementen bauen kannst. 

Ganz wichtig ist es zu wissen, dass nur ein paar Wildbienenarten in ein "Hotel" einziehen möchten (Bsp. Löcherbiene, Mauerbiene, Maskenbiene, Blattschneiderbiene, Wollbiene, Faltenwespe). Die meisten Arten bauen in der Erde ihre Nester.

 

Die Blauschwarze Holzbiene knuspert übrigens ihre Gänge selbst ins Holz und zieht gerne in alte Obstbäume ein.

 

Häufige Fehler beim Bau eines Insektenhotels vermeiden:

Schmetterlingshöhlen im Hotel werden nicht von Schmetterlingen genutzt. Es gibt etwa 180 Arten von denen nur ein paar überhaupt in Höhlen überwintern. Diese Arten wirst Du mit großer Wahrscheinlichkeit nicht bei Dir finden. Sollte das doch der Fall sein, dann siehst Du diese eher in Baumhöhlen oder in alten Schuppen usw. nisten. Die vorgefertigten Nisthöhlen im Hotel werden aus Platzgründen nicht angenommen. Schon der Eingangsbereich ist zu klein und die Kombination mit Wildbienenwohnraum funktioniert nicht, da dieser an einem warmen, sonnigen Platz steht. Zum Nisten ist so ein Platz für Höhlennester dieser Schmetterlingsarten vermutlich zu warm und zu hell. 

Marienkäfer haben natürlicherweise Farben, die auf sie aufmerksam machen sollen. Sie haben also nicht vor sich in irgendwelchen Zapfen in einem Insektenhotel zu verkriechen. Marienkäfer überwintern zum Beispiel im Laub, das man liegen lässt. Sie treffen sich oft in Scharen um einen Platz zum Überwintern zu suchen. Für die meisten Tiere sind die Käfer ungenießbar. Ihre Eiablage nehmen sie an verschiedenen Orten vor, damit mindestens ein Gelege unentdeckt bleibt. Ohrwürmer werden eventuell die Zapfen besiedeln, sie ernähren sich allerdngs unter Anderem von kleineren Insekten und Schmetterlingsraupen.

Das Stroh im Hotel ist für Florfliegen, für die das Stroh sein soll, ungeeignet. Hier geht vielleicht wieder der Ohrwurm rein. Aber für ihn sind andere Plätze auch interessanter. Er ist nachtaktiv und hält sich am Tage in selbstgebauten Gängen, in feuchten Baumrinden, unter Steinen, in Dolden und in hohlkernigen Früchten auf. 

Leere Schneckenhäuser im Insektenhotel sind für Wildbienen nutzlos. Vielleicht zieht man damit ein paar Spinnen an, die dann die Insekten abfangen. Was nicht Ziel des Hotels ist....Die Zweifarbige Schneckenhausbiene möchte ihr gefundenes Schneckenhaus selbst so hinlegen, dass der Eingang in die korrekte Richtung zeigt. Sie sammelt nach der Eiablage Gräser und sogar kleine Zweige um ihr Kunstwerk gut zu verstecken und zu stabiliseren. Dazu braucht sie Platz und zwar einen geschützten im Gras zum Beispiel.

 

Häufige Fehler beim Bau eines Wildbienenhotels vermeiden:

Lochziegel haben zu große Löcher. Der perfekte Durchmesser für die Bruthöhlen der Wildbienen liegt bei 2 - 9 mm. Eine Wildbiene lebt nur ein paar Wochen und sie muss in dieser Zeit etwa 30 bis 50 Brutkammern bauen. Sie würde also viel zu viel Zeit brauchen, um überdimensionale Löcher erst auszustopfen. Das macht keinen Sinn und das wissen sie auch. In die Lochziegel müssen also dann noch Röhrchen eingebaut werden, wenn die Nisthilfen Erfolge bringen sollen.

Nadelholz und weiches Holz sind ungeeignet. Das zu verwendende Hartholz sollte eine Darrdichte von über 0,55 g/cm³ besitzen. 

Grat an den Eingängen der Nisthöhlen muss unbedingt vermieden werden, da sich die Bienen daran verletzen können.

Zu dicht am Boden errichtete Nistplätze werden nicht genutzt und neigen zudem auch zu Verunreinigung. Man sollte hier mindestens einen halben Meter Platz lassen.

Rückseitig offene Röhrchen funktionieren nicht, sie müssen so angebracht werden, dass sie auf der Rückseite verschlossen sind. Dazu steckst Du sie in alte Dosen mit Boden oder ähnliches und baust dann die Dosen in Dein "Hotel" ein. Das Gleiche gilt bei Bohrungen in beispielsweise Holzblöcke. Hier bitte nicht durchbohren!

Leere Schneckenhäuser - Siehe oben!

 

 

Jetzt kann es also losgehen

Natürliche Nisthilfen für Wildbienen

Um natürlichen Lebensraum für Wildbienen und andere Insekten zu erhalten, musst Du unaufgeräumte Ecken im Garten schaffen, wo Totholz und Laub liegen bleibt. Baumstämme von gefällten Bäumen sammelst Du in den Ecken oder verwendest sie auch für Umrandungen von Beeten/Pflanzinseln. Wenn Du im Garten einen Baum fällen musst, lässt Du den unteren Teil mit den Wurzeln und einem Stück Stamm stehen. Es werden Käfer kommen, die Fraßgänge in die Stämme nagen und damit Wohnraum für einige Wildbienenarten schaffen. Mit einem Wildbienenhotel versuchst Du nur solche Fraßgänge nachzuahmen. 

Eine weitere Möglichkeit bieten Pflanzenstängel. Man verwendet hier Markstängel (Brombeerstiele, Sonnenblumenstiele usw.). Die kräftigen Stängel werden !einzeln! senkrecht in den Boden gesteckt, nicht als Bündel, denn so würden sie auch in der Natur nicht wachsen und würden nicht genutzt. Stabiler ist das Ganze, wenn noch Wurzeln an den Stängeln sind. Du kannst bespielsweise abgeblühte Sonnenblumen einfach stehen lassen und im nächsten Frühjahr nur die alten Bütenköpfe abschneiden.

Die meisten Wildbienen nisten jedoch in der Erde. Diese Arten brauchen Brachen, die Du ebenfalls in Deinem Garten schaffen solltest. Sie brauchen also Platz ohne Bewuchs. Am besten geeignet sind Stellen mit leicht lehmiger Erde, an sonnigen und auch an halbschattigen Plätzen. Du kannst auch, an einem sonnigen Platz, aus Lösslehm eine Art Steilwand bauen, wo bestimmte Wildbienenarten natürlicherweise gerne nisten.

Hummeln und "Erdwespen" nisten gerne in alten Mäusepalästen. Diese sind perfekt gebaut und haben sogar Regenwasserablaufkanäle. Die Hummelkönigin, die sich im zeitigen Frühjahr auf Nistplatzsuche begibt, vertreibt dafür sogar die Maus aus ihrem Nest, wenn nötig. Das muss sie auch, denn sie braucht Raum für ihren Staat, den sie bald gründen wird. Du lässt also alle Löcher, die Du im Garten findest offen und akzeptierst die Maus, die weiteren Platz für Hummeln schafft. 

 

 

 

Das Wildbienenhotel

Suche Dir einen sonnigen, warmen Platz als Standort für Deine Nisthilfe aus. Wähle ihn so, dass die Eingänge der Bruthöhlen in Richung Südosten bis Südwesten zeigen werden. Auch sollte der Platz windgeschützt sein. Die Brut braucht Wärme und Trockenheit! Die einzelnen Elemente im Hotel dürfen nicht am Boden stehen und sie dürfen nicht wackelig aufgestellt sein oder sogar schwingen. Man lässt immer mindestens einen halben Meter Platz zum Boden frei und stellt die Module in eine Art Regal, das eine Rückwand hat. Das ist am Sichersten.

Zum Bau der Grundwände (Regal) des Hotels kannst Du Fichten- oder Kiefernholz verwenden. Dieses lässt sich durch einölen mit Speiseöl gegen Feuchtigkeit schützen. Stabiler sind aber die Harthölzer.

Man kann auch alte Möbel verwenden. :) Europaletten habe ich auch schon zum Bienenhotel umgebaut gesehen, da muss aber wieder Platz zum Boden gelassen werden.

Für die eigentlichen „Hotelzimmer“ (Holzblöcke/Module) muss härteres, gut abgelagertes Holz verwendet werden. Buche, Esche oder Eiche sind am besten geeignet. Diese Hölzer haben beim Bohren eine geringe Auffaserung und es besteht kein Verletzungsrisiko für die Wildbienen, die sich an Grat beispielsweise die Flügel zerschneiden können. Zudem sollte das verwendete Holz nicht harzen. Für die eigentlichen Nisthilfen sind Nadelgehölze also ungeeignet.

Das Holz für die Bruthöhlen (Hotelzimmer) sollte etwa 15 cm stark und die Löcher 8 - 10 cm tief sein. Der Durchmesser der Löcher reicht von 2 bis 9 mm (je nach Bienenart). Sehr wichtig ist es die Bohrungen nicht ins Stirnholz zu setzen, damit verringert man bei Austrocknung des Holzes die Rissbildung und mindert wieder das Verletzungsrisiko für die Bienen.

Gut angenommene Füllmaterialien, für Räume zwischen den Holzblöcken, sind Schilf und Bambus. Diese sollten mindestens 10 cm lang und von 5 -10 mm Durchmesser sein. 

Die Bambus- und Schilfröhrchen auch wieder schön sauber entgraten. Du steckst sie fest in beispeilsweise Lochziegel, Dosen, Holzrahmen o.ä.. Lass ruhig auch mal etwas Raum zwischen den Elementen frei! 

Wenn alle Teile im Hotel angeordnet sind, empfiehlt es sich wieder an die Sicherheit der „Gäste“ zu denken. Um das Hotel vor Vögeln zu schützen, bietet sich ein Drahtgitter als Vorsatz an. Die Maschengröße sollte etwa 12 X 12 mm betragen und eine Schnabellänge (Specht) vor den Eingangslöchern angebracht werden.

Extratipp: Wenn Du die Löcher als Muster in die Holzblöcke bohrst, erleichtert es den Wildbienen das Wiederfinden ihrer Brutstätten und sieht zudem auch noch schön aus.

 

Hummelkästen

Bitte experimentiere nicht mit Nisthilfen für Hummeln herum! Diverse Fertigprodukte wie Töpfe und Kisten sind eher Todesfallen für die Tiere. Die beste Nisthilfe ist ein alter Mausbau! Möchtest Du unbedingt für die Hummeln eigene Nisthilfen bauen, dann schau Dir an wie die Experten das machen. Dazu findest Du unter der Rubrik "Hummelschutz" im Internet viele Infos. Glaube uns, das ist wirklich eine kleine Wissenschaft für sich! Da geht es um richtige Temperaturen, Wachsmottenschutz, Eingangsklappen, Belüftung, Standort usw.

Dazu kommt, dass es verboten ist Hummelköniginnen einzufangen, um sie in die Kästen zu setzen! Das ist auch gut so, da die Damen sicher schon den geeigneten Platz gefunden haben und bereits mitten in der Bauphase sind. Die Königinnen sollten sich von selbst bei Dir einfinden, das erreichst Du nur durch ein geeignetes Blütenangebot von Februar bis September.

Hummeln nisten gelegentlich auch in alten Laubhaufen, Baumhöhlen, Komposthaufen und in Hochbeeten.

 

Reinigung der Nisthilfen:

Du schaust Dir an welche Löcher im ersten Jahr verschlossen werden. Du nimmst einen wassefesten Stift und markierst alle verschlossenen Löcher mit einem farbigen Punkt, derselben Farbe. Das machst Du in jedem Herbst mit einer anderen Farbe.

Im nächsten Frühjahr schlüpfen die Wildbienen aus den markierten Löchern. Das Schlüpfen geschieht zu verschiedenen Zeiten und geht teilweise bis in den nächsten Sommer hinein. In der Zwischenzeit ziehen möglicherweise schon neue Bienen ein. 

Durch die Markierungen weißt Du aus welchen Löchern nun bereits die Bienen geschlüpft sind und welche noch eine Weile brauchen und in welche Löcher schon neue Bienen einziehen. Die Reinigung ist also etwas schwierig. Du musst quasi genau beobachten und darfst nur die wirklich leeren Löcher reinigen.

 

Eine Alternative zum Mieterchaos ist, dass Du die Nisthilfen so anbringst, dass Du sie einfach wieder lösen kannst - also, keine richtig fest verbauten Teile verwendest.

Du kannst dann besiedelte Holzblöcke/Dosen mit Bambus usw. einfach im Ganzen entfernen (im Februar) und an einem geschützten, schattigen Platz aufstellen. Dort können dann die Wildbienen in Ruhe schlüpfen. Neue werden nicht einziehen, da die Blöcke im kühlen Schatten stehen. Dann verbaust Du neue Nistblöcke in Dein Insektenhotel und wechselst sie jährlich aus. Die Nistblöcke im Schatten kannst Du reinigen, wenn alle Bienen ausgezogen sind und hast dann leere, saubere Blöcke für die kommende Saison.

 

Trinkwasser für Insekten

Auch Insekten trinken viel Wasser. Als Insektentränken eignen sich Mischpaletten, die man eigentlich bei der Malerei verwendet; Untersetzer mit kleinen Steinhaufen; Holzlatten oder Tonziegel mit Rillen usw...

Dazu kannst Du kreativ werden. Hier geht es darum, dass die Insekten nicht gerne nasse Füße bekommen und auch nicht ins Wasser fallen sollen. Sie benötigen also kleine Wasserstellen, an die sie trockenen Fußes herantreten können.

Diese Wasserstellen musst Du täglich füllen. Sie sind schnell leer und bei hohen Temperaturen empfielt es sich auch mehrmals am Tag zu schauen, ob noch Wasser vorhanden ist.

 

Fertighäuser kaufen

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Schlussworte

So, nun brauchst Du, als Hotelbetreiber, nur noch für eine Eröffnungsparty sorgen und Dich am wilden Treiben der Bienen erfreuen!

Wenn Du richtig gut bist, dann stellst Du eine kleine Kamera auf und kannst dann später feststellen, welche Arten Du unterstützt hast. Du kannst die Arten bestimmen lassen und in die Statistiken einfließen lassen. Zudem weißt Du dann auch welche passenden Pflanzen du noch brauchst, um weitere Arten zu unterstützen.

 

Viel Erfolg! 

Wissensstand, Februar 2022