so kann ich helfen

so kann ich helfen

Das Wort zum Sonntag:

Da Lebensraum und Nahrungsquellen unserer Insekten knapp sind, hilft es Wildbiene und Co., wenn wir diesen Platz wieder schaffen. Du findest hier ein paar Tipps, wie das ganz einfach zu erreichen ist. Sag das auf jeden Fall weiter und bewege Deine Freunde dazu auch etwas zu tun. Lies auch unsere anderen Seiten, da findest Du noch viele wichtige Details. Hier zeigen wir Dir, wie Du eine Blumenwiese erschaffen kannst:

 

 

1. Das Wichtigste:

Als wichtigster Punkt sei hier gesagt, dass die Natur die beste Gärtnerin ist. Schau Dir erst einmal an, was auf Deiner Fläche von selbst wachsen möchte! Du wirst also schön die vorhandenen heimischen Pflanzen dort stehen lassen. Je nach Bodenart werden Wildpflanzen sprießen, die Dir anzeigen mit welchem Boden Du es zu tun hast. Das sind sogenannte Anzeigerpflanzen.

Beispiele: Wächst Sauerampfer, so ist der Boden sauer, starker Lichtnelkenbewuchs kann auf Schwermetalle im Boden hinweisen usw....

Du wirst also die passenden Samen dazu finden. Die Landschaft gibt Dir dazu viel vor. Du kannst Samen selbst sammeln (ab Juli) oder sie bei Naturgartensamen-Anbietern kaufen (Siehe ganz unten im Text!). Weitere Informationen findest Du im Netz oder in den Büchern über naturnahes Gärtnern in unseren Buchempfehlungen.

Bedenke vor dem Anlegen, dass Du auch für die erdbewohnenden Wildbienen Brachfläche übrig lässt. Nicht überall ist es sinnvoll eine dichte Blumenwiese zu säen. An vielen Stellen machen sogenannte Magerwiesen mehr Sinn und auch hier leben zahlreiche Insekten, die beispielsweise die Wärme dort lieben. Für uns sehen solche Flächen leblos aus, allerdings ist hier die Artenvielfalt sehr hoch. Sei also vorsichtig und schau, dass Du vorhandene Nester schützt. Das können beispielsweise in alten Pflanzenstielen überwinternde Insekten sein. Lass sie also erstmal stehen. Auch im Boden findest Du sicher viele Löcher, mit daran anschließenden unterirdischen Palästen, die von Insekten besiedelt sind. Sei also auch hier vorsichtig bei der Bearbeitung!

 

Wir beschreiben hier eine Wiese für Wildblumen, die trockene, sandige Bedingungen braucht.

Brandenburg/ Berlin geeignet :) 

Hier wachsen zum Beispiel:

Wegwarte, Königskerze, wilde Malve, Moschusmalve, Lichtnelke, Disteln, Wiesensalbei, Kornblume, Klatschmohn, Natternkopf, Schafgarbe, Ewiger Klee, wildes Johanniskraut, Steppenwolfsmich, Zypressenwolfsmilch, Färberkamille, Kornrade, Wiesenbocksbart, Sandstrohblume, Nachtkerze, Lauch, Graukresse, Steinkraut, Steinklee, Hornklee, scharfer Mauerpfeffer, Heideginster, Rapunzelglockenblume, Felsennelke, Flockenblume, Ochsenzunge, Resede, wilde Möhre, Skabiose, Berg-Haarstrang und Karthäusernelke u.v.m.   

 

Im weiteren Verlauf findest Du eine Beschreibung für Blumeninseln oder Streifen mit Sonnenblume und Co.

 

2. Auch das Wichtigste:

Los geht es! Ab März/April kannst Du Deine ersten heimischen Wildblumen säen. Am besten Du hast sie selbst gesammelt. Bei fertigen Samenmischungen musst Du darauf achten, dass es sich tatsächlich um Wildblumen ohne Gräser handelt. 

Suche Dir dafür ein sonniges Plätzchen, das auch im Sommer noch sonnig ist. Schau, was von selbst hier wachsen möchte. Dort legst Du Dich nicht gemütlich hin, dort wirfst Du Deine Samen hin, wie es auf der Samenpackung geschrieben steht. Dann nimmst Du Deine tolle, neue Harke und harkst die Kleinen ein wenig ein.

Sehr hilfreich ist es hier, auf den Wetterbericht zu achten. Soll es später noch leichten Regen geben, dann ist es ein perfekter Tag. Sollten allerdings ergiebige Regengüsse angesagt sein, dann verschiebe Deine Taten auf einen anderen Tag, besonders wenn die Erde sehr trocken ist und kaum Wasser annimmt, da Deine lieben Samenkörner sonst zusammen mit dem vielen Wasser einfach weggespült werden und als Tischdekoration bei den Ratten im Kanal landen. Das ist auch nett, aber nicht das Ziel Deiner Aktion.

In den ersten 2 Wochen musst Du die Aussaat etwas feucht (nicht nass) halten. Danach kannst Du Dich allmählich zurücklehnen und Dein Werk betrachten. Du musst nun nur noch gelegentlich gießen, wenn es extrem trocken und heiß wird. Auch hier hilft Dir der Wetterbericht. Viele unserer Wildblumen (siehe oben) sind an die harten Bedingungen angepasst, im Gegensatz zu den nicht heimischen Schmuckstauden in unseren Gärten.

Bald kommen die ersten Insekten und schauen sich die Blüten und Nistplätze an - Einige Wildbienen sind auf ganz spezielle Wildblumen eingestellt - Fehlt die Blume, so fehlt auch die Biene und umgekehrt - Die Bienen buchen nun einen Platz in Deinen Nisthilfen, die Du dort gleich mit anbringst/aufstellst/baust.

Lies dazu unbedingt unsere Tipps zu geeigneten Nisthilfen, damit das auch klappt! 

Diese findest Du in unserer Rubrik „Das Insektenhotel". 

Es ist enorm wichtig, dass die eintreffenden Insekten im Umkreis von etwa 50 - 500 m Nistmöglichkeiten finden, da viele von ihnen nicht weit fliegen können und deshalb einen kurzen Weg vom Nest zu Futterstelle (Deine Blumen) benötigen.

Dann bist Du auch schon fertig mit der Wiese!

 

3. Mähen?

Ja, schon, um die Vielfalt zu erhalten und zum Veröden, damit weniger Gräser wachsen.

Das machst Du aber erst nach der Samenreife, damit die einjährigen Pflanzen erhalten bleiben. Diese Samen kannst Du einsammeln und im Frühling wieder säen oder sie keimen dann bei kühleren Temperaturen teilweise schon im Herbst und überwintern möglicherweise. 

Die Samen der zweijährigen Pflanzen keimen auf jeden Fall im späten Sommer/Herbst und wachsen an. Sie bleiben also nach der Mahd liegen. Die kleinen Pflänzchen überwintern 1x und blühen somit im nächsten Jahr. Deine zweijährigen aus diesem Jahr sind also die Kinder aus dem letzten Jahr. 

Verwirrt jetze? :) 

Du mähst also Ende Juli, wenn möglich mit einer Elektro-Motorsense. Schönes Spielzeug! :) Dabei immer ein paar Zentimeter über dem Boden bleiben - also die Sense, nicht Du. :)

Wir empfehlen, nicht die ganze Fläche auf einmal zu mähen, sondern in Etappen. So bleiben noch Nahrungsquellen erhalten, bis auf der gemähten Fläche noch ein paar Blüten nachkommen. Die abgemähten Pflanzenteile schüttelst Du schön auf der gemähten Fläche aus (Samen fallen runter) und legst sie wurstmäßig in den Schatten neben Deine Wiese. Dann harkst Du wieder die Samen ein.

4. Watt is n eigentlich mit Blumenmischungen?

Du kannst einen Teil der Wildblumenwiese im Frühling auch mit Blumenmischungen anlegen. Diese benötigen allerdings regelmäßig Wasser. Für die späten Insekten, die noch bis in den Herbst hinein fliegen, ist das eine willkommene Ergänzung und wird gerne genutzt.

ABER: Achte bei den nicht heimischen Sorten darauf, dass sie nicht invasiv sind und die heimischen Arten nicht überwuchern. Bedenkenlos säen kannst Du Sonnenblume, Cosmea, Ringelblume, Kapuzinerkresse und Zinnie. Dann aber wirklich neben die Wildblumenwiese und nicht mischen, da Du sonst alles viel gießen musst und beim Mähen auch die Sonnenblumen erwischen würdest - sowas funzt nur mit viel Erfahrung und viel Zeit - 

Du baust also kleine Inseln, oder einen großen Extra-Bereich für die Blumenmischung. Lies auch auf der Packung nach, ob die Mischung mit Gräsern aufgefüllt ist. Das ist sehr beliebt und leider sehr doof. Erfolgreicher und einfacher sind die einzelnen Samenarten, die Du dann selbst mischen kannst. Dann hast Du garantiert keine Gräser dabei, die dazu neigen alles zu überwuchern.

Das Highlight Deiner kleinen neuen Welt sind nun die Pflanzenwürste. Du erinnerst Dich? Die solltest Du nach der Mahd in den Schatten am Rande Deiner Wiese platzieren. Im Laufe der Zeit wird daraus ein natürlicher Dünger und du kannst die verrotteten Häufchen dann auf der Fläche verteilen, wo Du die nächste Blumenmischung mit Sonnenblume und Co. ausbringst. :) Bitte nicht auf die Wildblumenwiese! Diese braucht ja kargen Boden.

Die Blumenmischung kannst Du im nächsten Frühling, vor der neuen Aussaat abmähen. Einige der Sonnenblumenstiele lässt Du stehen und markierst sie rot + schneidest dann auch gleich die alten Blütenköpfe ab. Damit hast Du eine natürliche Nisthilfe für Markstängel besiedelnde Insekten geschaffen, die nun ihre Eiablage darin vornehmen. Diese Stängel lässt Du einen weiteren Winter stehen, bis im Frühjahr die neuen Bienen geschlüpft sind danach kannst Du die rot markierten Stängel rausnehmen und auf den Pflanzenwursthaufen legen. Aber schön vorsichtig, denn eventuell schlüpfen dort noch ein paar Spätzünder. Die Sonnenblumenstängel vom laufenden Jahr markierst Du im Herbst grün und weißt dann, dass Du diese erst im übernächsten Jahr entfernst. Dann wieder rot...grün...rot...Du verstehst? :) Lies dazu auch wieder in der Rubrik "Das Insektenhotel"!

 

 

5. ACHTUNG! 

Auch viele Wildlumenmischungen, die im Handel für unsere Bienen angeboten werden, enthalten nicht heimische Blumen. Ja! Echt jetzt! Das ist eben wieder diese Geldsache. Wir verdienen uns mal ein paar Goldbarren damit. Die Wildblumenmischungen enthalten oft auch Ringelblumen usw...das ist natürlich dann Quatsch. Das heißt nicht, dass diese nicht auch als Nahrungquelle für einige Bienen geeignet sind. 

Wie oben beschrieben gibt es nun eimal diesen gravierenden Unterschied in der Pflege und der Qualität für unsere Insekten:

Wildblumensamen = unkompliziertes, heimisches "Unkraut", das vielen Insekten Nahrung bringt und 

Bienenfreundliche Blumenmischung = pflegeintensive, nichtheimische Blumen, die einigen Insekten Nahrung bringt.

 

Diese Blumenmischungen darfst Du nicht unkontrolliert in die Landschaft streuen. Achte darauf, dass es sich um heimische Wildblumen handelt, die in Deiner Wohngegend natürlicherweise vorkommen sollten und die auch keine gezüchteten Arten enthalten. Sowas gibt es fast gar nicht im Handel. Du kannst Dich zusätzlich bei der Wildtierstiftung, beim NaBu, beim BUND und verschiedenen Naturschutzgruppen weiter informieren und eventuell dort auch echte Wildblumensamen beziehen.

6. Gartenblumen in die Landschaft pflanzen? Hilft das auch?

Auf keinen Fall darfst Du irgendwelche Gartenblumen außerhalb Deines Gartens anpflanzen. Es gibt unter ihnen Stauden, die sich invasionsartig ausbreiten können und die nach kurzer Zeit ganze Landstriche einnehmen. Hier muss ich den Japanischen Staudenknöterich erwähnen, der mittlerweile sehr stark verbreitet ist. Unsere heimischen Pflanzen, die auf unsere Insekten abgestimmt sind, haben dort keine Chance mehr zu wachsen und fallen als Nahrungsquellen weg. Der Staudenknöterich blüht auch und auch die Bienen gehen gerne in die Blüten. Allerdings ist es ein kurzes Vergnügen und die sonst dort wachsenden heimischen Blumen würden länger blühen und auch mehr Nektar und Pollen enthalten und somit auch andere Bienenarten versorgen..

Wenn Du Dich also nicht gut auskennst und Du keine Lust zum nachlesen hast, dann nimm bitte ausschließlich die heimischen Wildblumen!

 

Bitte denke daran, dass Insekten Wasser trinken!

Dazu stellt man am Einfachsten einen großen Untersetzer auf, bedeckt den Boden mit Steinen und baut einen kleine Hügel aus Steinen oben drauf. Die Insekten haben gerne trockene Füße und können im "Gebirge" nicht ertrinken. Ach!..und das Wasser nicht vergessen! 

 

Saatgut, das wir empfehlen:

Naturgarten-Samen Leipzig

Bingenheimer Saatgut

Naturgarten Samen vom "kleinen" Gärtner umme Ecke,

Demeter Saatgut und selbst gesammelte Samen.

Nimm möglichst viele Wildblumen, da Du so auch die wirklich gefährdeten Wildbienenarten unterstützt! Man kann auch Ringelblume, Cosmea, Sonnenblume und Co. säen, unterstützt damit aber nur die noch häufig vertretenen Bienenarten. Das ist natürlich auch gut, aber heimische Wildblumen sinn nu ma durch nüscht zu ersetzen.

 

 

Mehr Infos findest Du unter der Rubrik „Wildblumen Lexikon".

Fehlt hier noch etwas Wichtiges, das Deiner Meinung nach noch erwähnt werden muss, dann schreib uns bitte!